Mario Barth kann Komik: Von Frauen und ihren Macken

Was ist die Kunst von Komikern? Sie überzeichnen allseits bekannte Alltagssituationen und halten damit ihrem Publikum einen entlarvenden, aber auch äußerst amüsierenden und unterhaltenden Spiegel vor. Jerry Lewis steigerte menschliche Missgeschicke bis zur Vollkatastrophe und Loriot war ein Meister im visuellen Pointieren von allzu Menschlichem. Wie passt Mario Barth in diese Reihe, der am Sonntagabend vor ausverkaufter Halle Münsterland spielte? Der Mann ist in der Branche extrem erfolgreich – Deutsche Comedypreise, Goldene Schallplatten und Platin-DVD’s belegen das. Dieser Erfolg macht ihn an sich schon „verdächtig“. Alles viel zu oberflächlich, wird der 45-Jährige häufig öffentlich kritisiert. Mit solchen Vorwürfen trifft man aber wohl mehr das Publikum als den Künstler selbst. Der analysiert nämlich das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, natürlich aus der Sicht des „starken Geschlechts“, so punktgenau und zugleich lachmuskelstrapazierend, dass sich anscheinend Weiblein und Männlein darin wiederfinden und ihm gerne zuhören. Zum Beispiel, wenn der berlinernde Barth erstmal seine Artgenossen aufs Korn nimmt: Männer sind nicht faul, wie Frauen immer behaupten, sondern praktizieren nur aktives Nichtstun. Aber das war’s auch schon mit Selbstkritik. Ab dann stehen gut zweieinhalb Stunden vor allem weibliche Macken und Eigenarten im Mittelpunkt. Da steht die Freundin beim Kronleuchter-Aufhängen neben der Leiter und fragt permanent: „Ist das auch die Mitte?“. Oder sie nervt ihren Angebeteten mit einem Piepen im nagelneuen Auto, das sich als Anschnall-Warnton herausstellt – ihre Handtasche steht auf dem Beifahrersitz, 11 Kilo schwer. „Schlaue Sprüche“ gibt’s auch: „Happy wife, happy life“ zum Beispiel. In den Geschichten, die Mario Barth erzählt, ist tatsächlich viel Wahres drin. Ja, manchmal sind sie langatmig, und auch die ständige, penetrant gebrüllte Wiederholung von Sätzen und Satzteilen nervt gelegentlich. Ist aber nun mal sein Stil, und durch den fühlte sich das Münsteraner Publikum, gemessen an der Intensität des Schlussapplauses, bestens unterhalten.

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