Mitreißend und bewegend: Chor-Musical „Amazing Grace“

MÜNSTER  Barack Obama hat ihn kürzlich öffentlich gesungen und am Sonntag nach dem Terrorangriff auf New York stimmten ihn Angehörige aller Religionen gemeinsam an: Der Gospelklassiker „Amazing Grace“ gehört zu den bekanntesten Kirchenliedern der Welt, und die Geschichte hinter dem Lied erlebten insgesamt 5.500 Zuschauer in zwei stimmungsvollen Musicalshows in der Halle Münsterland.  Der Clou: Über 800 Chorsänger aus der Region standen dabei zusammen mit Musicaldarstellern, Band und einem klassischen Orchester auf der Bühne und erzählten stimmgewaltig das Leben des englischen Pfarrers John Newton, der 1773 den Text zu „Amazing Grace“ schrieb. In schmissigen Gospelsongs und anrührenden Musicalmelodien aus der Feder des Norwegers Tore W. Aas (Text: Andreas Malessa) ließen sie die bewegte Vita des Briten lebendig werden, der als Seefahrer Sklaven deportierte, später Pfarrer wurde und maßgeblich zur Abschaffung des Sklavenhandels beitrug. Die temporeiche Inszenierung von Doris Marlis setzt auf kurze, schnell wechselnde Szenen und kommt mit wenigen, aber effektvollen Requisiten aus.  Arne Stephan („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“)  spielt John Newton facettenreich und kann dessen Wandlung vom gefühllosen Menschenverachter zum frommen Pfarrer, der die „wunderbare Gnade“ Gottes erfahren hat, nachvollziehbar darstellen. Schön auch der Regieeinfall, den „Hass“ (genial böse: Stefan Poslovksi), die „Angst“ (Susanna Panzner) und die „Gleichgültigkeit“ (Sonja Tiéschky) als treibende Kräfte auf die Bühne zu bringen, die letztlich aber gegen Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe keine Chance haben.  Als Newtons Frau Polly sorgt Silke Braas für anmutige und auch musikalisch berührende Momente: Bei „Denn wer kann ertragen“, einer modernen Adaption des Händel-Klassikers, ist Gänsehaut angesagt.  Zum Höhepunkt der gut zweieinhalbstündigen Aufführung,  die Münsters-Popkantor Hans Werner Scharnowski souverän dirigierte, geriet das von einem Gospelquartett (Peti van der Velde, David-Michael Johnson, Bonita Niessen und Lana Gorden) zelebrierte Medley bekannter Gospelsongs, bei dem es keinen Zuschauer mehr auf dem Sitz hielt.

Von Markus Möhl

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s