Alexander Klaws brilliert in „Jesus Christ Superstar“

Basel, 26.1.2016   Von Markus Möhl    Erst Dortmund, jetzt Basel – nachdem Alexander Klaws, einer der erfolgreichsten deutschen Musicaldarsteller, als „Jesus Christ Superstar“ im letzten Jahr für durchweg ausverkaufte Vorstellungen im Opernhaus der Ruhrgebietsstadt gesorgt hat, scheint sich der Erfolg in der Schweizer Metropole fortzusetzen.
Die Premiere der Rock-Oper über die Passion Jesu Christi aus der Feder von Andrew Lloyd-Webber und Tim Rice war am Samstagabend im Großen Haus jedenfalls umjubelt. Natürlich hat das mit Klaws zu tun. Er spielt den Jesus höchst emotional, mit enormer physischer Kraft und stimmlicher Power, beherrscht aber auch die leisen, anrührenden Momente und zeigt gerade in den intimen Passagen, wie vielseitig seine schauspielerischen Möglichkeiten sind. Das lässig-ausgelassene Hochgefühl der Verehrung durch seine Jünger nimmt man ihm genauso ab wie die quälende Gewissheit seines nahenden Todes, wenn er in der Gethsemane-Szene zugleich aufgewühlt, verängstigt und wütend mit Gott um das Verstehen seines unabwendbaren Weges ans Kreuz ringt.
Aber wie schon in Dortmund agiert der gebürtige Sendenhorster auch in Basel in einem erstklassigen Ensemble, dessen Leistung nicht minder zum ausgiebigen Premierenapplaus beigetragen hat. Der musicalerfahrene Patrick Stanke (Judas) ist ein sehr präsenter Gegenpart zu Jesus, getrieben von Hassliebe, immer verwickelt in seinen inneren Kampf um Loyalität gegenüber dem charismatischen Anführer und dem letztlich zum Verrat führenden Bemühen, den Starkult um den Galiläer zu stoppen. Die Maria Magdalena von Andrea Sánchez beweist, ganz anders als ihr biblisches Vorbild, Führungsqualität: Als einzige bewahrt sie in der Krise einen kühlen Kopf und hält die bunte, manchmal etwas zu infantil-verspielt wirkende Jüngertruppe nach dem Tod Jesu zusammen. Stimmlich und schauspielerisch überzeugend auch Andrea Matthias Pagani als Pilatus, der in einer Schutz bietenden, käfiggleichen Hängebrücke zwischen dem Volk und Jesus pendelt, seine Sympathien für den Aufrührer aber nicht verbergen kann.
Regisseur Tom Ryser setzt in seiner Interpretation weder auf einen allzu vordergründigen, aktuellen Bezug noch auf spektakuläre Theatereffekte. Vielmehr lässt er seinen Darstellern auf einer zeitlosen Bühne (Stefan Rieckhoff) mit variabler Treppe und fünf beweglichen Wänden viel Spielfreiheit und die Möglichkeit, auch zwischen den Zeilen zu agieren. Dem entspricht das musikalische Konzept von Dirigentin Ansi Verwey, die mit ihren souveränen „Jesus-Allstars“ aus dem Orchestergraben ein eher langsames das Grundtempo vorgibt und mit längeren Pausen zwischen einzelnen Stücken gezielt Raum schafft für die dramaturgische Entwicklung. So bietet die Basler Inszenierung viel mehr als kommerziellen Musical-Mainstream, denn das Team um Regisseur Ryser hat eine intelligente, hintergründige und äußerst sehenswerte Version der mittlerweile 45 Jahre alten Rock-Oper auf die Bühne gebracht, die den Premierengästen denn auch reichlich Diskussionsstoff bot.

In Kürze folgt hier ein ausführliches Interview mit Alexander Klaws zu seinem Engagement in Basel, seiner neuen CD und seinen Zukunftsplänen.

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