STORNO’s kabarettistische Jahresbilanz

Ahlen, 7.1.2016  Von Markus Möhl   Da waren sie also wieder – der Drollige, der Drahtige und der Dröge. Funke, Philipzen und Rüther, kurz „Storno“, lockten zu ihrer „Abrechnung 2015“ an zwei Tagen insgesamt 1.600 Zuschauer in die Ahlener Stadthalle. Und das ohne Mühe – die Nachfrage nach Tickets war enorm.
Der Grund liegt auf der Hand: „Storno“ präsentieren exzellentes und höchst unterhaltsames Kabarett „made in Münsterland“, das feine Wortwitz-Spitzen mit knackigen Schenkelklopf-Zoten kombiniert und deshalb (nicht nur) in Ahlen zur jährlichen humoristischen Pflichtveranstaltung gehört. Denn das, was die drei bekennenden Westfalen abliefern, ist tiefsinnig, hintergründig und vor allem wirklich witzig. Da werden IS-Kämpfer zu „Gilette-Verweigerern“, die so genannten besorgten Bürger zum neuen deutschen „Aber“-Witz und die Lichtgestalt Franz Beckenbauer zur Energiesparlampe. Während die Euro-Krise fast schon zu langweilig für „Storno“ ist, stürzen sich die drei Herren mit Krawatte, Fliege und offenem Hemdkragen genüsslich auf Themen wie die allgegenwärtige Vernetzung – mit Kühlschranken, die direkt mit der Krankenkasse verbunden sind und gechipten Unterhosen, die bei entsprechenden Darmwinden Signale an den automatischen Fensteröffner senden. Nach einem warmen Winter können Funke, Filipzen und Rüther dem Klimawandel eher Positives abgewinnen: „Da rückt das Meer immer näher und demnächst heißt es: Willkommen an der Strandpromenade in Oelde“. Natürlich fehlt auch der DFB-Skandal nicht: Niersbach sei der „Tor des Monats“ und die Fifa-Ethikkommission ließe sich am besten mit Eheberatung im Bordell vergleichen. Abgerechnet wird außerdem mit der katholischen Kirche, („Die Kinder von Priestern haben Fransenallergie, weil sie immer unter den Teppich gekehrt werden“), den Helikopter-Eltern („Mein Kind lernt schneller als deins“ zur Melodie des Bourani-Hits), der krebserregenden Wurst („Böse Mettendchen“) und der neuen Wohlfühlzone Bundeswehr, wo die Gefechte jetzt Vater-Kind-Kur heißen.
Herrlich, wie die drei Jahresrückblicker eine Pointe nach der anderen abfeuern und dabei ganz in ihren Charakteren aufgehen: Harald Funke, dessen gesichtsmäßige Ähnlichkeit zur Kanzlerin mit Angie-Perücke erschreckend ist, ist immer für eine dumpfe Grimasse und trockenen westfälischen Humor gut. Thomas Philipzen steht für den sympathischen Chaoten, ein Körperverrenkungsexperte und Schnellsprecher („So viel Zeit muss sein“), der in einem Satz auch schon mal 10 Gags unter- und damit seinen Kollegen Jochen Rüther regelmäßig auf die Palme bringt. Der hat es nämlich gerne geordnet, niveauvoll und korrekt – und scheitert mit seinem Streben nach Hochkultur grandios. Bei Storno macht’s einfach die Mischung, die sich übrigens auch musikalisch bestens bewährt, wenn sich die drei Akteure wechselweise an die Tasten oder Saiten begeben. Das werden sie auch bei ihrem dritten Auftritt in Ahlen im Februar sicher wieder tun, für den es – wen wundert’s – schon lange keine Tickets mehr gibt.

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