Neujahrskonzert: Opernmelodien statt Walzerseligkeit

Ahlen, 3.1.2016  Von Markus Möhl     „Anders, aber sehr schön“ – mit diesem Kommentar brachte eine Besucherin auf den Punkt, was das diesjährige Neujahrskonzert in der Ahlener Stadthalle auszeichnete: Statt Strauß-Walzer standen nämlich bekannte Opernmelodien auf dem Programm, das die Neue Philharmonie Westfalen, in Ahlen erstmalig unter der Leitung von Justus Thorau, zum Jahresauftakt bot.
Das Konzept ging auf, zumal das Orchester aus Gelsenkirchen, das schon Starsopranistin Anna Netrebko und Weltklasse-Pianist Lang Lang begleitet hat, mit dieser Stückauswahl seine ganze musikalische Klangvielfalt zeigen konnte und sich nicht auf Walzerseligkeit oder Polkaglück beschränken musste. Denn die Bandbreite der Opernklassiker war groß: Von italienischem Temperament wie in Gioachino Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ über die anmutige „Barcarole“ aus Jaques Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ bis hin zum schmissigen „Furiant“ von Bedrich Smetana („Die verkaufte Braut“) oder dem nicht weniger schwungvollen „Can Can“ aus Offenbachs Oper „Orpheus in der Unterwelt“ bekamen die 650 Zuschauer einen bunten Strauß beliebter Melodien zu hören. Die „Neue Philharmonie“ konnte in diesen abwechslungsreichen Stimmungsbögen ihren warmen, gediegenen Klang in den Streichern entfalten und gleichzeitig die klaren, kraftvollen Bläser wirkungsvoll zum Einsatz bringen. Dies gelang nicht zuletzt dank des souveränen Dirigats von Justus Thorau, eines trotz seines jungen Alters von 30 Jahren schon mehrfach ausgezeichneten Orchesterleiters. So machte der gebürtige Berliner erstmals im Jahr 2011 als 1. Preisträger des 5. Deutschen Hochschulwettbewerbes Orchesterdirigieren in Leipzig auf sich aufmerksam. Mittlerweile am Theater Aachen als 1. Kapellmeister tätig, wird dem Nachwuchsdirigenten schon jetzt in Fachkreisen eine glänzende Karriere vorausgesagt. Aber die wahre Qualität eines Dirigenten zeigt sich doch erst beim Dirigieren des Publikums, wenn die Klänge des berühmten „Radetzky-Marsches“ ertönen. Denn der durfte nach dem Donauwalzer als Abschluss des Neujahrskonzertes, das wie immer von Markus Wallrafen humorvoll und kenntnisreich moderiert wurde, trotz des Mottos „Alles Oper“ nicht fehlen. Und natürlich hatte Justus Thorau die Ahlener im Griff, als er für deren Mitklatschen fast schon lässig und tänzerisch die Einsätze gab und sie mit Pauken und Trompeten in den frühen Neujahrsabend entließ.

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