Isabella Rosselini „doziert“ über schwule Delfine

Von Markus Möhl    Wer bei dem Titel „Green Porno“ so etwas wie eine Öko-Version dieses ganz speziellen Genres erwartet hatte, wurde am Dienstagabend (9.6.2015) im Großen Haus der Ruhrfestspiele Recklinghausen nicht enttäuscht.
Vor allem deshalb nicht, weil Weltstar Isabella Rosselini (u.a. „Blue Velvet“) die skurrilen Sexualpraktiken und Fortpflanzungsmethoden aus Flora und Fauna hinreißend charmant, nahezu unerotisch und vor allem höchst amüsant präsentierte.
„Einen Porno haben Sie heute Abend nicht zu erwarten, aber obszön wird es auf jeden Fall“, begrüßte das langjährige Lancôme-Model sein aufmerksames Publikum zu einer wissenschaftlichen Vorlesung der besonderen Art, einer Mischung zwischen Schauspiel, Referat und skurrilen Kurzfilmen (Antoine Manichon), in denen Rosselini selbst in Kostüme schlüpft und den Tieren eine Stimme gibt. So frisst sie als Hamstermutter gerne auch mal zwei von ihren zehn Säuglingen auf, um Kräfte zu sparen und die restlichen acht Nachkömmlinge ausreichend ernähren zu können. Und als Delfin zeigt die Tochter von Hollywood-Legende Ingrid Bergman und Starregisseur Roberto Rosselini, dass unter den Meeressäugern „alles möglich“ und Homosexualität an der Tagesordnung ist. „Wie kann man da ernsthaft behaupten, Homosexualität sei gegen die Natur?“ fragt Rosselini ihre Zuschauer und streut auch sonst immer wieder philosophische Gedanken in ihre Performance (Regie: Muriel Mayette) ein: „Unsere Einteilung in die Kategorien Mann/Frau ist viel zu eng“, behauptet die gebürtige Italienerin zum Beispiel und, vielfach angesprochen darauf, dass sie nicht so gut aussehe wie ihre Mutter, erwidert sie: „In der Weiterentwicklung unserer Spezies sind die Unterschiede die große Chance“. Der gut einstündigen Aufführung fehlt es nicht an ernsthaften wissenschaftlichen Grundlagen. Dennoch ist Isabella Rosselini in der Lage, diese Erkenntnisse in eine herrlich komödiantische Form zu verpacken. Und die ist vor allem deshalb so unterhaltsam, weil sich die Künstlerin selber gar nicht so ernst nimmt und sogar – für ein ehemaliges Modell sicher eine Überwindung – Mut zur Hässlichkeit beweist, wenn sie sich ein nicht gerade vorteilhaftes Hamsterkostüm überstreift. Zu Recht erntete die Schauspielerin dafür die stehenden Ovationen des Premierenpublikums.

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