Jesus Christ Superstar bleibt in Hagen blutleer

Hagen/Westf., 22.12.2014  Von Markus Möhl   Mit bekannten Namen aus der Musicalszene kann die Inszenierung der Rockoper „Jesus Christ Superstar“ am Theater Hagen (Premiere am 18. Januar 2014) aufwarten: Hannes Staffler (Jesus) hat u.a. im Queen-Musical „We will rock you“ Erfolge gefeiert und Carsten Lepper (Judas) lieh in der Verfilmung von „Das Phantom der Oper“ dem Raoul seine deutsche Synchronstimme. Auf dem Blatt sah also eigentlich alles nach einem aufregenden Musicalabend in der Volmestadt aus.
Stimmlich war das mit Blick auf beiden Protagonisten auch tatsächlich der Fall. Hannes Staffler hat keine Mühen, die anspruchsvolle Jesus-Partie zu gestalten. Gerade in den Höhen, zu denen Komponist Andrew Lloyd Webber seine historische Hauptfigur treibt, bleibt der versierte Musicaldarsteller sauber und lässt auch nicht die kleinste technische Schwäche erkennen. Das beeindruckt vor allem in der „Gethsemane“-Szene, in der Jesus mit seinem bevorstehenden Tod und mit Gott hadert. Carsten Lepper (Judas) verleiht dem mit Jesus um den richtigen Weg ringenden Verräter Kontur, indem er seine ebenfalls sehr fordernde Partie ohne gesangliche Abstriche bestreitet.
Leider war es das dann aber auch schon. Denn Regisseur Thilo Borowczak nutzt die Erfahrenheit der beiden Hauptdarsteller nicht, um die bewegende Geschichte von Liebe und Verrat, Treue und Tod zu erzählen. Genau das hatte das Autorenduo Andrew Lloyd Webber und Tim Rice aber im Sinn, die das komplizierte Geflecht menschlicher Beziehungen ganz in den Vordergrund rücken wollten. Diese dankbare Vorlage nimmt Borowczak nicht auf. Die Handlung wird oft abgespult, ohne dass die Akteure wirklich miteinander in Beziehung treten. Beispielhaft gilt das für Marilyn Bennet (Maria Magdalena), deren opernhaft übertriebenes Spiel einfach zu künstlich wirkt. Da kommt nichts rüber von der schwierigen emotionalen Bindung zu Jesus, mit der sie zu kämpfen hat. Leider ist die Mezzosopranistin auch stimmlich eine Fehlbesetzung, denn wo Leidenschaft hörbar werden sollte, setzt sie gesangliche Technik ein. Auch Hannes Staffler und Carsten Lepper agieren mehr aneinander vorbei als dass sie sich auseinandersetzen und bleiben eindimensional, weil ihnen die Regie nicht viel mehr anbietet. Während Staffler als Jesus fast durchgehend angestrengt böse schaut und unter hoher Körperspannung steht, bringt Lepper den inneren Konflikt des Judas vor allem durch aufgescheuchtes Laufen über die gesamte Bühnenbreite zum Ausdruck.
Sicher, es gibt auch ein paar originelle Einfälle. Zum Beispiel, wenn der Hof des Herodes als quietschgelbe Cabaret-Persiflage daherkommt oder Judas’ Rückkehr im weißen Anzug mit Flammensymbol von (Höllen-)Feuer untermalt wird. Auch das Spiel des Philharmonischen Orchesters Hagen (Leitung: Steffen Müller-Gabriel) ist, wenn auch manchmal eine Spur zu laut, so doch sehr gut anzuhören. Aber das kann am Ende an dem Eindruck einer merkwürdig blutleeren, weil nicht konsequent zu Ende gedachten Inszenierung nicht viel ändern.

 

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