Mein Baby gehört mir: „Dirty Dancing“ lebt!

Köln, 21.7.2014  Von Markus Möhl   „Mein Baby gehört mir“ – dieser eine Satz reichte aus, um das (vor allem weibliche) Publikum im Kölner Musical Dome zum Jubeln zu bringen: „Dirty Dancing“ ist derzeit als Tourneeproduktion zu Gast in der Domstadt und hat hohen Unterhaltungswert. Denn die Inszenierung von Sarah Tipple hält sich so nah wie möglich an das Original – Zitate, Kostüme, Choreografie und sogar die immer etwas überdrehte, deutsche Synchronstimme von Baby, perfekt nachgeahmt von Anna-Louise Weihrauch, lassen die Fans nichts vermissen, was sie aus dem Kultfilm von 1987 kennen.
Und es gibt sogar noch was oben drauf: Zahlreiche Songs, die nicht im Leinwandklassiker enthalten sind, haben – interpretiert von einer oberhalb der Bühne gelegentlich sichtbaren, bestens aufspielenden Band und guten Sängern – ihren Weg in die Bühnenfassung gefunden. Die Drehbuchautorin des Originals, Eleanor Bergstein, hat außerdem die Chance genutzt, mehr Zeitkolorit einzubringen. Da wird am Lagerfeuer dann auch schon mal – in Anspielung auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung – „We shall overcome“ angestimmt oder einer Rede von Martin Luther Kings am Radio gelauscht.
„Dirty Dancing“ ist schon immer mehr Tanzfilm als Musical gewesen. Das macht auch den besonderen Reiz der Liveperformance aus: „Tanz…hat live auf der Bühne einen besonderen Effekt, verströmt einen Hauch von Gefahr und wirkt ansteckend lebendig“, formuliert es Eleanor Bergstein im Programmheft zur Tournee. In Köln gelingt es mühelos, diese Unmittelbarkeit umzusetzen – nicht zuletzt dank des athletischen Mate Gyenei als Johnny, der zwar bei der sprachlichen Ausgestaltung seiner Rolle an Grenzen stößt, aber tänzerisch umso mehr überzeugt. Anna-Louise Weihrauch („Baby“) nimmt man die heranreifende junge Frau ab, die den Zug der gesellschaftlichen Veränderungen im Amerika der 60-er Jahre nicht verpassen will. Ein komisches Glanzlicht setzt Natalya Bogdanis als Baby’s Schwester Lisa: Ihr schön schräg gesungenes „Hula-Lied“ bei der Bühnenshow im „Kellerman’s“ ist besser als das Original. Insgesamt agiert das Ensemble zwar stellenweise etwas hölzern, nähert sich damit aber durchaus dem Sprech – und Umgangsstil der frühen 1960er.
Zwei besondere Erwähnungen verdienen das Bühnenbild, das mit Projektionen stimmungsvolle, schnelle Ortswechsel schafft und sogar die „Hebeszene“ im Wasser – wenn auch mit Lacheffekt – gut umsetzt, und Leadsängerin Jessica Mears, die mit ihrer soulig-rauhen „Rock-Röhre“ aufhorchen lässt.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.