Rasante Revue: „Joseph“ begeistert in Tecklenburg

Tecklenburg, 23.6.2014  Von Markus Möhl   Der Regen hatte ein Einsehen: Obwohl der Himmel über dem Tecklenburger Land den ganzen Tag über bewölkt war, tröpfelte es erst bei der zweiten Zugabe der Musical-Premiere von „Joseph“ am Samstag (21. Juni) auf die Bretter der Freilichtbühne. Zuvor hatten die gut 2.000 Zuschauer eine rasante, humorvolle und begeisternde musikalische Revue gesehen, die die alte biblische Geschichte von Joseph, dem Traumdeuter, seinen Brüdern und Ägyptens Pharao modern erzählt.

Dass es Intendant Radulf Beuleke wie schon im letzten Jahr („Schuh des Manitu“) wieder gelungen ist, Alexander Klaws als Hauptdarsteller zu gewinnen, dürfte ein Garant für den Erfolg der tempo- und abwechslungsreichen Inszenierung sein. Der Popularitätsschub, den der gebürtige Sendenhorster vor kurzem durch den Sieg der TV-Tanzshow „Let’s dance“ erfahren hat, ist dabei sicherlich kein Hindernis. Unabhängig davon zeigt Klaws auch in „Joseph“ wieder seine enorme Bandbreite als erfahrener Musicaldarsteller („Tanz der Vampire“, „Tarzan“), kann schauspielerisch, tänzerisch und stimmlich auf ganzer Linie überzeugen. Trotz der Weite des Bühnenraums gelingt es ihm, selbst die leiseren, andächtigen Passagen („Schließt jede Tür vor mir“) als intime, berührende Momente zu gestalten. Und natürlich ist er der „Star“ des Abends. Seine Auftritte werden immer wieder mit Szenenapplaus und Jubel der (vorwiegend weiblichen) Fans bedacht – vor allem, als er den Pharao mit den Worten „Let’s dance“ zu einem wilden Tanz auffordert. Aber auch Klaws Kollegin Sandy Mölling (Ex No Angels-Mitglied) steht ihm in nichts nach, zumal sie als Erzählerin, die in nahezu jeder Szene präsent ist, fast den schwierigeren Part hat. Sie passt sich den unterschiedlichen Musikgenres, die das Musical fordert, mühelos an und zeigt dabei erstaunliches komödiantisches Talent. Das ist ohnehin in den meisten Szenen gefragt, denn „Joseph“ erzählt die Geschichte aus dem Alten Testament als satirische Bearbeitung des biblischen Stoffes. Da kommt der Pharao (genial: Julian Looman) schon mal als Elvis-Kopie daher oder ein Barbershop-Trio kommentiert, in einen großen Fernseher gestellt, die Sklavenkarawane von Kanaan nach Ägypten im Stil einer Auswanderer-Doku-Soap.
Regisseur Werner Bauer versteht es bestens, die im Stück angelegten persiflierenden Momente auszunutzen und, immer wieder mit überraschenden Einfällen gespickt, effektvoll auf die Bühne zu bringen. Dass er damit damit die Spielfreude seines Ensembles, das bis in die kleinsten Rollen und in den guten Chor hinein hervorragend besetzt ist, geweckt hat, ist deutlich zu spüren. Diese Stimmung überträgt sich schnell auf das Publikum, und auch musikalisch gibt es von Rock`n Roll über Countrymusik und den Chanson bis zum eingängigen Musicalsong viel zu beklatschen. Deshalb mussten es am Ende auch, trotz des einsetzenden Regens, mehr als zwei Zugaben sein.

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